Trauer- und Sterbebegleiter helfen in schweren Momenten

"Für Menschen bewegen" - Starkes Ehrenamt im Kreis Gütersloh

Es gibt viele Menschen im Kreis Gütersloh, die sich für andere stark machen - und das ehrenamtlich, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Ein besonders bemerkenswertes Ehrenamt ist es, Menschen auf der letzten Wegstrecke ihres Lebens begleiten. Dieser Aufgabe haben sich die Freiwilligen der insgesamt 16 Hospizinitiativen im Kreis Gütersloh gewidmet. Mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit und Vortragsreihen sowie einem alle zwei Jahre stattfindenden "Gütersloher Hospiztag" machen die einzelnen Hospizgruppen auf sich aufmerksam.

Ehrenamtliche Mitarbeiter werden geschult

Die interessierten Freiwilligen werden sorgfältig auf ihre Arbeit vorbereitet. "In den sogenannten 'Befähigungskursen' setzen sich die Teilnehmer mit dem Leben und der eigenen Endlichkeit auseinander", berichtet Ingrid Stolte, Koordinatorin der Hospizgruppe Borgholzhauen e. V. "Ebenso gehören Biografiearbeit, der eigene Umgang mit Trauer und Abschied, Spiritualität, Themen wie Schmerz, Schmerzbehandlung, rechtliche Aspekte oder Kenntnisse über Gesprächsführung zu den Unterrichtsinhalten." Die Diplom-Sozialpädagogin, Palliative-Care-Fachkraft für soziale Bereiche und personenzentrierte Beraterin bringt Wissen und Erfahrung mit. Unter ihrer Leitung ist die Hospizgruppe Borgholzhausen stetig gewachsen. Gegründet wurde sie 2006 von der DRK Pflege- und Betreuungseinrichtung Haus Ravensberg GmbH, der ortansässigen evangelischen Kirchengemeinde, Diakoniestation und katholischen Kirchengemeinde.

In den vergangenen Jahren begleiteten die etwa 40- bis etwas über 70-jährigen geschulten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Hospizgruppe Borgholzhausen unheilbar kranke Menschen - und zwar dort, wo sie lebten: Zu Hause, im Krankenhaus oder im Haus Ravensberg. Seit Anfang 2012 sind es allein 18 Begleitungen. Im Mittelpunkt stand und steht der schwerkranke, sterbende Mensch. Für ihn, seine Angehörigen und Freunde da zu sein, zuzuhören, mitzuhören, mitzugehen, gemeinsam traurig zu sein, zu lachen oder zu schweigen - das verstehen sie als ihre Aufgabe.

Ingrid Stolte: "Abschied ist nicht immer gleich der Tod. Abschied passiert in Phasen: Wenn die Menschen hier ins DRK Haus Ravensberg kommen, sind sie auf einmal fort von Zuhause und müssen lernen, dass sie nur noch wenig alleine machen können. Schon hier beginnt unsere Arbeit."

Anderen Menschen helfen und positive Erfahrungen weitergeben

„Als zugewandte Begleiter bedeutet für uns Sterbebegleitung eigentlich Lebensbegleitung: Wir begleiten ein Menschenleben bis zum Schluss“, erklärt Gerda Pieper. Sie selbst war durch den Tod ihrer Schwiegermutter auf die Hospizarbeit aufmerksam geworden: "Sie starb in meinen Armen. Da wusste ich, das kann ich. Heute möchte ich versuchen, anderen Menschen zu helfen und meine positiven Erfahrungen weiterzugeben." Rita Höcker kam aufgrund ihrer eigenen lebensbedrohlichen Krankheit zur Hospizgruppe. Sie suchte das Gespräch und fand eine Gruppe "vor der man laut denken kann, wo man auch Zweifel und Ängste äußern darf." Heute schöpft Rita Höcker nicht nur Kraft und Lebenssinn aus der Ehrenamtsgruppe, sondern auch aus den Begleitungen: "Seit ich im Vorruhestand bin, kann ich meine Zeit anderen Menschen geben."

Hospizarbeit muss koordiniert und organisiert werden, da es sich um einen Dienst am Menschen handelt, der in erster Linie durch das Ehrenamt geprägt ist. Zu den Aufgaben von Ingrid Stolte gehören dabei sowohl die Gewinnung und Schulung von Ehrenamtlichen als auch das Beschaffen von Spenden und Sponsorengeldern. "Ich sorge aber auch dafür, dass es meinen Ehrenämtlern gut geht", betont die hauptamtliche Koordinatorin. Alle zwei Jahre führen sie gemeinsam ein Wochenende weg. Weihnachtsfeiern und Grillabende hätten Tradition. "Aber das, was mir am meisten Spaß macht, das sind die Menschen, besonders auch in der Gruppe, die mich mit ihrem Engagement und ihrer Einsatzbereitschaft immer wieder für meine Koordinationsaufgaben motivieren."

Mehr Informationen zur Hospizarbeit gibt es beim Hospiz- und Palliativverein Gütersloh e. V., Hochstr. 19, 33332 Gütersloh, Telefon: +49 5241 7089022 oder unter www.hospiz-und-palliativmedizin.de.