Seit 2005 braut Michael Zerbst das "Rotingdorfer"

Die Fahrt zur Brauerei Rotingdorf in Werther führt von der Kreisstadt Gütersloh aus über den Teutoburger Wald. Auf kleinen Wirtschaftswegen durch die Felder gelangt man schließlich zu einem umgebauten Bauernhof. Monatlich braut Michael Zerbst seit 2005 hier bis zu 3.000 Liter untergäriges "Rotingdorfer".

Das Besondere an diesem Tropfen aus Hopfen: Michael Zerbst braut in einer historischen Anlage, die mit Holz befeuert wird, und das verwendete Wasser stammt aus einem eigenen Brunnen. "Unser Wasser ist extrem weich, dadurch schmeckt das Rotingdorfer besonders gut", bestätigt der Fachmann. Öffentlicher Ausschank ist jeden Donnerstag von 18 bis 22 Uhr: "Soziale Marktwirtschaft" nennt sich das Ganze. Die Gäste zahlen pauschal sechs Euro pro Stunde fürs Essen und Trinken. Außerdem kommt jeden ersten Donnerstag im Monat "in die Bierbar der Barbier" zum Haareschneiden. In diesem Sommer können Künstler aus der Region donnerstags ein Kunstwerk in der Brauerei erstellen. Im Winter werden die Werke im Rathaus Werther ausgestellt und versteigert. Der Erlös soll in das geplante Peter-August Böckstiegel-Mosaik an der Hauptkreuzung in Werther fließen. Erst kürzlich fand hier auch der "Tag des Ehrenamts" statt. Initiator Michael Zerbst lädt jedes Jahr alle Freiwilligen aus Werther als Dankeschön für ihren ehrenamtlichen Einsatz in seine Brauerei ein.

Vom Eigenbedarf zum Profi-Brauer

"Im Auftrag des Herrn" sei er unterwegs, so zitiert Michael Zerbst die Blues Brothers aus der gleichnamigen US-amerikanischen Filmkomödie von 1980. Er wird nicht müde die Entstehungsgeschichte der Brauerei auf dem 10.000 Quadratmeter großen Gelände der mehr als 20 Jahre währenden Mehr-Generationen-Wohngemeinschaft zu erzählen. Im Erdgeschoss wohnen acht ältere Menschen mit Pflegebedarf rund um die Uhr. In der oberen Etage sind es sechs Erwachsene und fünf Kinder, die heute hier leben. Bereits Ende der 1990er-Jahre wurden für den Eigenbedarf alle sechs Wochen etwa 200 Liter Bier gebraut. Michael Zerbst: "Das war also echt ausbaufähig." Seit der Brauereigründung 2005 erführe er Unterstützung durch den Kreis Gütersloh.

"Ob Bauamt, Veterinäramt oder Stadtverwaltung, hier werden unsere Interessen im Rahmen der gesetzlichen Voraussetzungen aktiv vertreten", so der Brauereibesitzer. Für ihn träfe die positive Aussage des Slogans "mit Wirtschaft führen", mit dem im Kreis Gütersloh für die Wirtschaftskraft geworben wird, auf beide Seiten zu: Auf die Unternehmen ebenso wie auf die Behörden im Kreis.

Bei den Brauereibesichtigungen, zu denen sich Besuchergruppen ab zehn Personen anmelden können, erzählt der Brauer auch Geschichten und Anekdoten der "WG Alt & Jung". Die vierstündigen Besichtigungsangebote mit Bratwurst, Fleisch am Stiel oder Steak als Nahrungsgrundlage haben sich inzwischen zum Geschäftsschwerpunkt des kleinen Familienbetriebs entwickelt. Unabhängig von der Wetterlage finden zurzeit 60 Personen Platz, ab 2013 soll der Platz auf 90 Besucherinnen und Besucher erweitert werden. "Glückliche Gäste sind mir das Wichtigste. Dafür packen alle mit an: Ein Mann, eine 'halbe' Frau und 'zwei Viertel' Töchter", erläutert Michael Zerbst mit einem Augenzwinkern. Die Brauerei Rotingdorf hat keinen Direktverkauf. Ihr Vertriebspartner ist die Firma Getränke Klocke. Sie übernimmt die Logistik für die Rotingdorfer Verkaufsstellen im Getränkefachhandel. Das Essen liefern Fleischereien und Caterer aus der Region.

Eine Schnapsidee

Aktuell arbeitet Brauer Zerbst daran, die Rotingdorfer Whisky-Destille, die als (Schnaps-)Idee in einer Bierlaune entstand, in die Tat umzusetzen. Bereits Ende November 2011 war er mit Freunden im Sauerland zu einer Brennerei-Besichtigung, verbunden mit dem Abbrennen einer eigenen Whisky-Maische.  Zurück im Kreis Gütersloh werden nun unterschiedliche Lagerungen getestet: Im Französischen Weißeiche-Fass, demnächst im gebrauchten Bourbon- oder Sherry-Fass. Zurzeit ist ein Stück eingelegte Werther-Eiche im Testversuch. Man darf gespannt sein auf den "Geschmack von Werther".

Näheres rund um die Brauerei, die Veranstaltungen, Besichtigungsangebot und die Rotingdorfer Bezugsquellen gibt es unter: www.rotingdorfer.de